Die Geschichte Ziltendorf's

Wissenswertes aus der Geschichte Ziltendorf's

"Der früheste Ortsnamenbeleg lautet Tzuluttendorph (4.6.1316) und läßt im Bestimmungswort einen altsorbischen Personennamen Sulotsa erkennen.
Im Flurnamengut ist ein starker sorbischer Einfluß feststellbar, was auf einen hohen Anteil sorbischer Bauern und Zeidler bei der mittelalterlichen Besiedlung der Ortslage schließen läßt. Während noch um 1430 in drei Fällen (Ein-) Hüfner genannt werden, heißt es später, das Dorf habe keine Hüfner und 1673 ausführlicher, es liege "in keinen Hufen", sondern besitze "nur gemängte Aecker und Wiesen". (Sprenger 1930)
Näheres über die in der "Starastie zu Czultindorff" organisierten Zeidler erfahren wir in einem um 1420 verfaßten Neuzeller Erbbuch. Zu ihren Privilegien gehörte die Nutzung von "wezin zu ihren zidelweden", sowie des Obstes und Hopfens in den Auenwäldern. Die meisten Mitglieder dieser Starostei wohnten zu Vrath (heute polnisch Uvad) am jenseitigen Oderufer. Damit sie das westlich des Flusses gewonnene Heu aufbewahren und ihr Vieh unterstellen konnten, wurde ihnen im Erbbuch das Recht verbrieft, dort Scheunen und Stallungen zu errichten.
Im Jahre 1582 ist in diesem Teil der Oderaue erstmals das Neuzeller Klostervorwerk bezeugt, aus dem im 19. Jahrhundert die Domäne Auritte (Größe 1929: 367 ha) hervorging, Vorläufer des jetzigen Ortsteiles Aurith.
Als Besitzer Ziltendorfs urkundet 1397 ein Hans von Czultendorff, der dem Kloster sein Vorwerk, (seit 1970 Sechsfamilienhaus Oderstraße 21) mit einer Schäferei verkaufte, bevor 1406 das gesamte Dorf in Stiftsbesitz überging - von einer sechsjährigen Verpachtungszeit abgesehen - bis 1817 verblieb."

Quelle(Text):
Festschrift zur 675-Jahr-Feier von Ziltendorf 1991 (Übernahme aus: Werte unserer Heimat, Band 45 - Eisenhüttenstadt und seine Umgebung)

Die komplette Festschrift zur 675-Jahr-Feier von Ziltendorf finden Sie hier im PDF-Format.

Seit der im Jahre 919 erfolgten Gründung des deutschen Reiches hatten die Sorben einen zähen Kampf um ihre Unabhängigkeit zu führen. Schon Heinrich I., der erste deutsche König, unterwarf einen Teil ihres Siedlungsgebietes und gründete daraus die Mark Meißen. In den folgenden Jahrhunderten wurden immer wieder Eroberungszüge in die Gebiete der Sorben durchgeführt. Ihre Organisatoren waren die Fürsten und Herzöge, die dabei die Unterstützung der Kirche hatten. Diese Raubzüge wurden damit motiviert, daß man die heidnischen Sorben zum Christentum bekehren wollte. In Wirklichkeit ging es aber den Feudalherren und der Kirche um neues Land und damit um neue Machtsphären.
Die bei der Germanisierung angewandten Unterdrückungsmethoden waren äußerst grausam. Ganze Dörfer wurden ausgerottet oder ihre Bevölkerung in die Sklaverei verkauft. Wo man die slawische Bevölkerung am Leben ließ, legte man ihr unerträgliche Lasten und Abgaben auf. Die Slawen durften weder innerhalb der Mauern der von den Deutschen angelegten Städte wohnen, noch ein Handwerk oder Gewerbe betreiben. Ihnen wurde das vor den Stadttoren liegende Kietz als Wohnstätte angewiesen.
Die endgültige Unterwerfung unseres Gebietes gelang den feudalen Eroberern erst im 13. Jahrhundert. Die Lausitzer Sorben hatten nämlich im Kampf um ihre Freiheit vor allem die Unterstützung des polnischen Staates. So hatte schon der polnische König Boleslav I. Chrobry (der Kühne) nach blutigen Kämpfen im Jahre 1018 zu Budissin (Bautzen) im mit Heinrich II. geschlossenen Frieden die Lausitz als Reichslehen erhalten. Wenn auch der Polenkönig Miesko II. sie 1031 wieder an Konrad II. verlor, so konnte das Gebiet um Guben und Fürstenberg doch bis in das erste Drittel des 13. Jahr­ hunderts in gewissem Grade seine Unabhängigkeit behaupten.
Die deutsche Besiedlung unseres Gebietes erfolgte unter dem Mündel des Landgrafen Ludwig von Thüringen, Heinrich mit dem Beinamen der „Erlauchte“, der von 1221 bis 1288 Markgraf von Meißen war. Aus dem Norden und Westen wurden deutsche Ansiedler ins Land geholt, die das Land der vertriebenen Sorben erhielten.
Die Anwerbung der neuen Ansiedler übertrugen die Feudalherren so genannten Lokatoren (lat. Locatores, d.h. Bauernwerber). Die deutschen Bauern folgten den Lokatoren in großer Zahl in den Osten, denn alle neuen Ansiedler hatten in den Ostgebieten relativ bessere Lebensbedingungen, da ihre Abgaben an die Feudalherren nicht so hoch waren wie in der alten Heimat.
Die Lokatoren hatten nicht nur die Aufgabe, deutsche Bauern für den Osten zu werben, sondern ihnen oblag auch die Anlage der deutschen Dörfer und Städte im Osten. In unserem Heimatkreis sind, wie aus der überwiegenden Zahl der Ortsnamen slawischen Ursprungs noch heute hervorgeht, von den Lokatoren weniger neue Dörfer angelegt worden. Dagegen war vielmehr die Verdrängung der Sorben aus den bereits stehenden Siedlungen ihre Aufgabe.
An der „Kolonisation" unserer Heimat nahmen fast alle Schichten und Klassen des deutschen Volkes teil. Die Bauern erhielten je eine Hufe Land und brauchten auf Kosten der noch vorhandenen slawischen Bevölkerung nur einen mäßigen Zins an den Grundherren und den Zehnten an die Kirche zu entrichten. Die mit ihnen kommen den Pfarrer wurden mit zwei Hufen Landes ausgestattet. Infolge des damals in Deutschland herrschenden Lehnswesens gingen auch die Rittersöhne nach dem Osten. Hier wurden sie Grundherren mit umfangreichem Besitz, wie z. B. das Geschlecht derer von Bomsdorf. Handwerker und Händler sahen im Osten bessere Erwerbsmöglichkeiten.
Eine Reihe Familiennamen geht auf deutsche Vornamen zurück, die die Slawen bei der oft gewaltsam erfolgten Be­ kehrung zum Christentum während der Taufe annehmen mußten. In ihrer Muttersprache, die nicht sogleich auszurotten war, verwandten sie jedoch dafür die sorbischen Bezeichnungen. Für diese Gruppe von slawischen Namen seien folgende Beispiele erwähnt: Bartusch (deutsch Bartholomäus); Göritz (Gregorius); Hantschke, Jänisch, Jänsch, Janitzki, Jahn, Janasch, Janeck und Janisch (Johannes), Jandtke (Antonius), Hilschenz (Elisabeth), Jakubaschke, Jäckel und Jäcksch (Jakobus) usw.
In der Bezeichnung „Hörnchenwiesen", die das Jagen 165 bei Fünfeichen führt, und dem mit „Hörnchenturm" benannten Vermessungsturm bei Kobbeln hat sich die Erinnerung an das einstige slawische Dorf Hörnchen erhalten. In einer Schenkungsurkunde des Markgrafen Waldemar von Brandenburg aus dem Jahre 1315 wird dem Kloster Neuzelle das Dorf Rackwitz (Rakewicz, wie es in der Urkunde heißt) übergeben. Auch dieses Dorf ist etwa im angegebenen Zeitraum untergegangen. Es lag süd­östlich von Göhlen, wovon noch heute der Göhlener Flurname „Raaksches Feld" zeugt. Ein weiteres, südlich von Henzendorf gelegenes Slawendorf, das ebenfalls unterging, war Korkowitz. Hieran erinnert noch die Flurbezeichnung „Gurksches Feld" oder „Kurksches Wasser."
Die Ursachen für den Untergang dieser slawischen Dörfer sind urkundlich nicht festgehalten worden. Man geht wohl, darum nicht fehl, wenn man sie mit den zur Germanisierung angewandten Unterdrückungsmethoden in Verbindung bringt. Ob ihre Zerstörung durch Strafexpeditionen der deutschen Feudalherren erfolgte, oder ob ihre Bewohner es nach einem Brande vorzogen, der Unterdrückung zu entgehen und sich im polnischen Staat anzusiedeln, auf jeden Fall ist das Verschwinden, dieser Dörfer ein Beweis dafür, daß sie ausschließlich sorbische Einwohner hatten. Diese Schlußfolgerung wird bestärkt durch Untersuchungen, die W.Oelmann in seinem Buch „Die Entwicklung der Kulturlandschaft im Stift Neuzelle" über die Größe der Hufen in den Dörfern anstellt. Oelmann berechnet die Hufengröße für Möbiskruge mit 45 Morgen (Der Morgen ist mit 400 rheinischen Quadratruten = 0,5674 ha berechnet), für Schönfließ mit 58,1 Morgen und für Krebsjauche (Wiesenau) sogar mit 67,2 Morgen. Wenn auch eine unterschiedliche Bodenklasse dabei eine Rolle gespielt haben sollte, so. ist es doch bezeichnend, daß die Hufengröße für Rackowitz mit 26,8 Morgen und für Korkowitz nur mit 26,1 Morgen anzusetzen ist. Da die zu entrichtenden Abgaben aber nach Hufen und zwar vo n den Slawen noch höher als von den deutschen Ansiedlern zu entrichten waren, ist es verständlich, daß viele Sorben ihre Dörfer verlassen haben.
Doch nicht alle Sorben kapitulierten so schnell vor ihren Unterdrückern. Wie sich die Sorben im Spreewald bis auf den heutigen Tag ihre nationalen Eigenarten erhalten haben, führten auch in unserem Kreis einige Dörfer einen zähen Kampf um die Erhaltung ihres Volkstums. So war nach der genannten Arbeit Oelmanns, wobei er sich auf die Forschungen von E. Mucke stützte, die Bevölkerung von Ratzdorf noch im Jahre 1707 überwiegend sorbisch. Auch in Schlaben, dessen Umbenennung in Neuzelle erst viel später erfolgte, hat sich wie aus dem Ortsnamen dessen Ursprung bedeutet, das sorbische, Volkstum noch lange erhalten.
Eine besondere Rolle bei der Germanisierung des slawischen Ostens spielten die Klöster. Die meisten Mönchsorden waren in Frankreich oder Italien entstanden. Sie brachten aus diesen ökonomisch fortgeschrittenen Ländern neue Produktionsmethoden und Kulturpflanzen mit. Das hat vor allem die deutschen Markgrafen b ewogen, den Mönchen in den Ostgebieten ausgedehnten Grundbesitz zu übergeben. So holte Markgraf Heinrich von Meißen die Zisterzienser-Mönche ins Land. Die Mitglieder dieses Ordens waren auf Grund ihres Wahlspruches „Ora et labora" („Bete und arbeite") zur Arbeit verpflichtet und bearbeiteten ihre um das Kloster gelegenen Ländereien anfänglich selbst. Nach der vom Stifter bei der Gründung des Klosters am 12. 10. 1268 in Dresden ausgestellten Urkunde erhielten die Mönche auch die Dörfer Wellmitz, Steinsdorf, Seitwann, Streichwitz, Schwerzko, Möbiskruge und Lawitz. Wenn sie ihr Besitztum bis zur im Jahre 1817 verfügten Aufhebung des Klosters auf 40 Dörfer und zahlreiche Vasallenorte, zu denen auch Fürstenberg gehörte, erhöhen konnten, so wird kein Mensch glauben, daß das durch den Fleiß der Mönche möglich war. Dieser Reichtum wurde durch die Abgaben und Frondienste der slawischen und deutschen Bauern erpreßt.
Die Zisterziensermönche, deren Stammkloster, Citeaux, in Burgund stand, kamen vom Kloster Altzelle bei Nossen in Sachsen un d gründeten hier bei uns die Nova Cella (lat. d. h. Neue Zelle). Um das Kloster an dem heutigen Ort zu erbauen, mußten die Mönche Sümpfe und Moräste trocken legen und sogar einen Berg abtragen. Wie Mauermann in seiner Chronik des Klosters Neuzelle berichtet, befand sich dieser Berg dort, wo sich heute die Klosterkirche erhebt. Eine in der Nähe der Turmuhr befindliche lateinische Inschrift soll die Höhe des Berges bezeichnen. Die abgetragenen Bergmassen würden zu einem Teil dazu verwandt, einen Sumpf auszufüllen, auf dem die heutige evangelische Pfarrkirche steht. Da aber noch Erdmassen übrig blieben, schütteten die Mönche einen neuen Berg auf, dessen Name „Scheibe" noch heute an das Aufkarren oder Fortschieben erinnert. Im Zuge dieser Kultivierungs arbeiten wurde auch der Klosterteich angelegt, der einen Überrest des ehemaligen Sumpfgebietes darstellt. Durch Urbarmachung weiterer Sumpf- und Morastgebiete haben sich die Neuzeller Mönche Verdienste erworben. Auch den Weinbau, der hier noch bis in das 19. Jahrhundert hinein betrieben wurden brachten sie mit in unsere Gegend. Nach der Gründung des Klosters Neuzelle dürfte eine noch stärkere Besiedlung unseres Gebietes mit deutschen Bauern erfolgt sein. Diese kamen einmal in das Stiftsgebiet, weil das Raubrittertum, das sich in Deutschland während der Zeit der Kreuzzüge herausbildete und den Untergang der Ritter ankündigte, sie in ihrer alten Heimat nicht zur Ruhe kommen ließ, zum anderen siedelten sich diese Bauern deshalb unter geistlicher Feudalherrschaft an, weil ihre Abgaben und Lasten an diese zunächst weniger drückend waren, als an eine weltliche Grundherrschaft. Diese Bauernpolitik der Mönche kam wiederum der Bereicherung des Klosters zugute, denn neue Untertanen die weiteres Land urbar machten, brachten auch neue Einkünfte.

Quelle(Text):
Festschrift zur 700-Jahr-Feier der Stadt Fürstenberg(O.) 1955

Fast das gesamte Gebiet des heutigen Amtes Brieskow-Finkenheerd stand einmal unter der Herrschaft des Klosters Neuzelle.
Am 12.10.1268 stellte der Markgraf von Meißen Heinrich „Der Erlauchte" in Dresden die Stiftungsurkunde für das Kloster Neuzelle aus. Erstmalige Erwähnung findet das Kloster Neuzelle im Jahre 1278. Das Jahr 1281 wird als der Beginn des klösterlichen Lebens in Neuzelle angesehen. Aus dem Jahre 1293 und dann ab 1307 sind erste Besitzerweiterungen durch das Kloster bekannt. Um 1330 war, so wird berichtet, der Klosterbau weitestgehend abgeschlossen. Im Jahre 1547 forderte der König von Böhmen hohe Anleihen vom Kloster, das dafür einen großen Teil seines Besitzes verpfänden und sich in Schulden stürzen musste. Dadurch kam es zu Veränderungen in der Wirtschaftsweise. So wurden unter anderen in den dem Kloster verbliebenen Dörfern Vorwerke angelegt und mit den Frondiensten der Untertanen sowie durch Angestellte betrieben. Auf diese Art und Weise entstanden auch die Vorwerke Ziltendorf, die heutige Ernst-Thälmann-Siedlung und das Vorwerk Aurith, aus welchem der heutige Ortsteil Aurith hervorgegangen ist.
Aber weiter geblättert in der Geschichte.
Aus dem Jahr 1553 existiert ein Oderdamm-Register, das über den Ausbau der Oderdämme Auskunft gibt. Schon hier wird berichtet, dass diese Maßnahmen sehr zur Verbesserung der Landwirtschaft in den Niederungsflächen beigetragen hat.
Durch die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges hatten die Bauern in den Dörfern und Vorwerken große Abgaben zu leisten. Zu dieser Zeit mussten die Bauern aus den Dörfern in den angelegten Vorwerken jeweils einen Tag Dienst leisten.

Für das Vorwerk Aurith wurde dabei die Oder zu einem großen Hindernis. Aus diesem Grund versuchte Abt Hugo des Klosters Neuzelle das Dorf zu verkaufen. Am 18.03.1629 wandte sich der Abt mit diesem Anliegen direkt an den Kurfürsten Georg Wilhelm von Brandenburg. Als Gründe für den Verkauf gab er an, dass er kein Interesse an dem Dorf habe, es zu weit weg liege und die Untertanen seien alle „sehr halsstarrig, widerwertig und zu keinem gehorsam" anzuhalten. Der Kurfürst seinerseits beauftragte einen Beamten, ihm über das Dorf einen Bericht zu geben. Am 31.01.1629 meldete der Beauftragte dem Kurfürsten, dass Aurith ein schönes Dorf mit 66 Wohnhäusern sei. Doch das Dorf erbringe nur einen Zins von 130 Talern. Die Untertanen leisten dem Abt keine Dienste und sind ihm sehr ungehorsam. Der Beauftragte empfahl dem Kurfürsten, das Dorf nicht zu kaufen, da man es zu keinem landesherrlichen Amt schlagen könne.
Kurfürst Georg Wilhelm von Brandenburg
Am 14.06.1632 übertrug der Kurfürst das Dorf Aurith der Universität in Frankfurt (Oder). Mit einer Beschwerde vom 10.07.1632 wandte sich der Kurfürst Johann Georg von Sachsen an den Kurfürsten Georg Wilhelm von Brandenburg, dass die Universität auch das Vorwerk Aurith beanspruchen würde.Dieses liege aber diesseits der Oder und gehöre nicht mehr zu Brandenburg. Die Professoren behaupteten, die Landesgrenze ist die „Pistrene" und nicht die Oder. Damit sei das Vorwerk brandenburgisch. Diese Vorgehensweise brachte den Abt des Klosters auf den Plan und er befahl seinen Untertanen zu Aurith niemand, auch nicht der Universität, zu gehorchen und Zins zu zahlen. Dies stehe allein ihm zu. Doch der Streit konnte nicht so einfach geschlichtet werden. So beschlagnahmten die klösterlichen Beamten das Vieh, das die Aurither auf die westliche Seite der Oder zur Hütung führten, und schleppten selbst einige Bewohner nach Neuzelle ins Gefängnis. Nach dem Friedensschluss von Prag und vielen Bemühungen wurde am 18.11.1635 Aurith wieder an das Kloster Neuzelle übertragen.
Nach dem Dreißigjährigen Krieg war das Kloster durch Finanznöte gezwungen, einige Güter zu verpfänden. Nachdem es finanziell wieder bergauf ging, konnte man darangehen die ehemaligen Besitztümer wieder zurückzugewinnen.Erst im 18. Jahrhundert ging das Kloster daran, den etwas abseits gelegenen Besitz wieder an sich zu binden. Diese Periode zeichnete sich durch einen stetigen Rückerwerb der alten Klostergüter aus. Mit den Dörfern gelangten auch wieder Vorwerke und Waldungen an das Kloster, die das Rückgrat der klösterlichen Wirtschaft bildeten. Aus einem Inventarverzeichnis während der Sedisvakanz (der Abt des Klosters war verstorben und noch kein neuer bestimmt) aus dem Jahr 1727 geht hervor, dass es zwölf Vorwerke und zwar in Aurith, Bresinchen, Coschen, Diehlo, Groß Drenzig, Ossendorf, Seitwann, Steinsdorf, Treppeln, Wellmitz, Ziltendorf und das Klostervorwerk in Schlaben gab.
Die meisten Vorwerke lagen im Süden des Stiftsgebietes und waren immer wieder mal vom Kloster veräußert worden. Ausnahmen bildeten die beiden Vorwerke in der Oderniederung in Aurith und Ziltendorf sowie die beiden Vorwerke in Diehlo und in Schlaben.
Auf diesen Wirtschaftshöfen wurden im Schnitt fünf Pferde, 65 Rinder (Milchvieh wie Zugochsen), 23 Schweine und 60 Stück Federvieh gehalten. An Schafen ließen sich 2500 Stück ermitteln. Die gesamte landwirtschaftliche Nutzfläche wurde in dieser Zeit zu 78 von Bauern und zu 22 von den klösterlichen Vorwerken bewirtschaftet.
pflügender Bauer
Bei der im Jahre 1727 durchgeführten Inventur der weltlichen Verwaltung, da das Kloster ohne Abt war, kam es auch zu Vorkommnissen. Hier ein Beispiel: Am 17.01.1727 begaben sich die Administratoren nach Ziltendorf, um mit dem dortigen Vorwerk zu beginnen. Doch die Tore und Türen waren verriegelt und verschlossen. Durch ein kleines Seitentürchen konnten sie in die Wirtschaftsstube gelangen, wo sie den Hofmann und den Stiftskornschreiber fanden. Beide verweigerten die Zusammenarbeit und die Herausgabe der Schlüssel. „Sie parireten niemanden anders als dem Closter". Da der Kornschreiber flüchten konnte, haben die Administratoren den Hofmann und seinen Knecht verhaften und ihn in Ziltendorf auf der „Schulzerey in Stock legen laßen". Sie verlangten von dem Hofmann Gehorsam und Treue. Da er sich weigerte, wurde er weiterhin in Haft gehalten. Erst nach einem Monat wurde er am 21.02.1727 gegen die Zahlung von 13 Talern und 14 Groschen entlassen.
Während des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) war Ziltendorf, im Verlauf der Schlacht bei Kunersdorf, Aufmarschgebiet des österreichisches Heeres unter dem Oberbefehl von Feldmarschall-Leutnant Gideon Ernst Freiherr von Laudon. (-1-)
Im weiteren Verlauf der Geschichte gewann der preußische Staat immer mehr an Einfluss. Durch ständige Gebietserweiterungen erhielt Preußen auch immer mehr katholische Untertanen. Durch den Staatsvertrag vom 18.5.1815 zwischen Preußen und Sachsen wurde das Gebiet des Klosters Neuzelle preußisches Staatsgebiet. Nach dem Vorbild Österreichs und Bayerns ging auch Preußen im Sinne der Aufklärung daran, die geistlichen Stifte aufzuheben. Auf Grund der preußischen Kabinettsorder vom 08.02.1817 erließ die Regierung zu Frankfurt (Oder) am 25.02.1817 die Aufhebungsurkunde für das Kloster Neuzelle. 1824 bestimmte der Kultusminister, dass der gesamte Vermögenskomplex als „Stift Neuzelle" zu bezeichnen sei. So wurden auch die Vorwerke Aurith und Ziltendorf zum Vermögen des „Stift Neuzelle". Beide wurden in der Folge durch die Stifsverwaltung verpachtet. Das Vorwerk Zilfendorf wurde nach 1840 als Neuzeller Domänenvorwerk geführt und verpochtet. Die Domäne Ziltendorf hatte eine Größe von 521 ha und verfügte über eine Brennerei, eine Rübendarre sowie ausgedehnte Weidenkulturen und Herdbuchvieh.

Nach 1945 wurde der größte Teil des Gutslandes der ehemaligen Vorwerke Ziltendorf und Aurith durch die Bodenreform an Umsiedler verteilt. Im Zuge des Aufbaus der Siedlungsgrundstücke in den Jahren 1947-1950 erhielt das ehemalige Vorwerk Ziltendorf den Namen des Arbeiterführers Ernst Thälmann. Auch die heutige Siedlungsstruktur des Ortteiles Aurith entstand im wesentlichen in den Jahren von 1947-1950 durch den Aufbau von Siedlungsgrundstücken für Umsiedler.

Ernst Thälmann

Quelle(Text):
Winfried Töpler „Das Kloster Neuzelle" und die weltlichen und geistlichen Mächte 1268-1817
Lukas Verlag 2003
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Wissenswertes aus der Historie
…unserer Gemeinde und aus dem näheren Umland

Die früheste Ortsnamenserwähnung Ziltendorfs als Tzuluttendorph, im Jahr 1316 kann nicht als gesichert gelten, da hierfür keinerlei Belege aus jener Zeit zur Einsicht verfügbar sind.
Dr. Klaus-Dieter Gansleweit verweist hier auf den ersten urkundlichen Nachweis im „Urkundenbuch des Klosters Neuzelle und seiner Besitzungen“ herausgegeben von E.Theuner, Lübben 1897, Urkunden Nr.21, S.15 f , Nr.22, S. 16  f , nur sind nähere Angaben zur Existenz dieses Buches heute leider unbekannt.
So muss wohl vielmehr eine erstmalige Ortsnamensgebung unter Czultendorff (nach dem 1397 urkundlich erwähnten Besitzer Ziltendorfs Hans von Czultendorff ) als wahrscheinlicher gelten, da hierauf auch der verbürgte Ortsname Zultendorff aus der Mitte des 18. Jahrhunderts schließen lässt.

Viele Verfälschungen der ursprünglichen Ortsnamen begründen sich auf fehlerhafte Überlieferungen, welche in den früheren Jahrhunderten daraus resultierten, dass nur wenige Bürger des Schreibens und Lesens kundig waren und zudem auch der Eine des Anderen Handschrift dann nur teils fehlerhaft deuten konnte.
Ein Beispiel dafür wäre Krebsjauche (das 1921 in Wiesenau umbenannt wurde) auf dessen ehemaligen Ortsname diverse Sagen beruhen, welche jedoch wohl mehr in die Märchenwelt gehören, da der Ort bis in das 18. Jahrhundert in diversen historischen Dokumenten unter den Namen Krebslauche bzw. Krebsgauche Erwähnung findet, wobei Krebslauche wohl in Ableitung des Wortteils lauche (was im altdeutschen soviel wie „Bach“, „ Tümpel“, o.ä. bedeutete) am wahrscheinlichsten gelten darf.

Ziltendorf gehörte einst zu Sachsen, bis es durch Gebietsabtretungen, in Folge des Wiener Kongresses im Jahre 1815, zu Preußen fiel.
Anlass war die Niederlage von Napoléon Bonaparte, der zuvor die politische Landkarte des Kontinentes erheblich verändert hatte.
So verlief bis dato die nördlichste Grenzlinie zu Preußen zwischen Krebsjauche (dem heutigen Wiesenau) und Brieskow, entlang der Schlaube.

Das Mühlenfließ (bei uns schlicht als "Fließ" bekannt) vereint sich in der Nähe des "Forsthaus Schierenberg" aus den Quellen des Kutfliess, Steiger Fliess und Schwarzaker Fliess welche von dort unweit in den Fuchsbergen entspringen.
Es legt einen Weg von ca. 11 km, u.a. durch den Großen und Kleinen Pohlitzer See zurück, bevor es bei Ziltendorf in den Pottack mündet.
Namensgebend waren wasserbetriebene, zumeist Kornmühlen entlang seines Stromes.
Von der Quelle her gesehen waren dies:

  • Fünfeichener Mühle (heute "Forsthaus Schierenberg")
  • Pohlitzer Scheidemühl (oder auch Rau Mühle)
  • Pohlitzer Mühle
  • Pulver Mühle (an der Mündung des Fließ in den Großen Pohlitzer See)
  • Ziltendorfer Mühle

Im Zuge des Ausbaus der Teilstrecke des früheren Friedrich-Wilhelm-Kanal (heute Oder-Spree-Kanal) im Jahre 1891 von Müllrose nach Fürstenberg, wurde das Fließ unter dem Kanal, auf seinem Weg vom Kleinen Pohlitzer See nach Ziltendorf, hindurchgeführt.

Bis vor ca. 250 Jahren gab es neben dem Großen und Kleinen Pohlitzer See noch einen dritten See – den Hoßbutt. Dieser, von der Fläche her etwas kleiner als der Kleine Pohlitzer See, befand sich im heutigen Gebiet von Wasserwerk / Flugplatz Pohlitz. Gespeist wurde dieser durch das Pohlitzer Dorffließ welches südwestlich des Ortes entspringt.

Die größte zu Ziltendorf zugehörige Ansiedlung in der Wiesenaue (früherer Name der heutigen Ziltendorfer Niederung) war bis ca. Mitte des 19. Jahrhunderts nach dem Vorwerk (später Gut und heutige E.-Thälmann-Siedlung) der Schulzen Hof, welcher sich etwa 100m gegenüber der Abfahrt nach E.-Thälmann-Siedlung (von der Oderstraße) befand.
Später entstand ein größerer Hof „In der Aue“, die spätere „Ziltendorfer Loose“ ca. 1 km weiter in Richtung Aurith (heute Rinderzucht Günzel).

Die einstiegen „Vorwerke“ zu Ziltendorf und Aurith wurden anfangs des 20. Jahrhunderts zu Gütern, welche nach 1949 enteignet wurden. Dominierend waren so im „Gut Ziltendorf“ die Gustvilla bzw. im „Gut Aurith“ (unserem heutigen Aurith) das Schloß, welches sich bis zur Zerstörung 1945 am diesseitigen Oderdamm befand.

Etwa bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts beherbergte der breite Strom der Oder zahlreiche Inseln.
Die größte einer dieser in der Nähe von Aurith war der „Zernebuse Werder“. Mit der Begradigung der Oder, dem damit verbundenen Anlegen von Buhnen und der daraus resultierenden höheren Fließgeschwindigkeit der Oder, verschwanden diese im Laufe der Jahrzehnte vollständig.

Bis zum entstehen der ersten Eisenbahnstrecke der Niederschlesisch-Märkischen Eisenbahn Anfang der 1840er Jahre war die Hauptverkehrsverbindung die Poststraße, welche von Frankfurt, über Lossow, Finkenheerd, Wiesenau, entlang der Pohlitzer Seen, vorbei an Schönfließ, über Lawitz, usw. nach Guben führte. Die einzigen, auch schon vom Namen her, erhaltenen Teile dieser Verbindung in unserer näheren Umgebung stellen die nach ihr benannte „Alte Poststraße“ in Wiesenau und Eisenhüttenstadt dar.

Die Brücke über den Oder-Spree-Kanal (Bundesstraße 112) hatte an selbiger Stelle einen Vorläufer, bis diese im April 1945 durch die sich zurückziehenden deutschen Truppen gesprengt wurde. Bis zum Neubau im Jahr 1967 bestand eine Fährverbindung, durch eine Personen- und später auch eine Kraftfahrzeugfähre, über den Kanal nach Pohlitz.
Das alte Fährhäuschen mit seinem Anlegesteg diente noch bis in die 80er Jahre vereinzelt als Anlegestelle für Schiffe der "Weißen Flotte" Eisenhüttenstadt's, so dem "Brummel", einem Ausflugsdampfer welcher regelmäßig die Strecke nach Müllrose befuhr.

Die einstige, 1702 im barocken Fachwerkstil erbaute, Dorfkirche fiel im Frühjahr 1945  Artelleriefeuer der Roten Armee zum Opfer. Das bis dahin vor der Kirche befindliche Kriegerdenkmal wurde nach dem 2. Weltkrieg auf den Friedhof umgesetzt, wo es heute als Wahrzeichen für die dort befindliche Kriegsgräberstätte steht. Der Neubau einer Kirche begann erst 50 Jahre nach der Zerstörung der alten Kirche an selbiger Stelle.

 

 

 

 
 

Wer hat sich nicht schon einmal gefragt, wenn er von Ziltendorf nach Wiesenau am Pottack entlang fuhr, warum denn hier auf einer kleinen Fläche das Ackerland durch einen unbearbeiteten Teil mit wildem Pflanzenwuchs unterbrochen ist ?
So erging es mir selbst auch, bis ich nun mal auf ein altes Meßtischblatt aus dem Jahr 1938 schaute und dort ein als Kulturdenkmal eingetragenen "Grodisch" vorfand.
Wo macht man sich da nun schlau ? ... natürlich im Internet und dort fand ich ein paar wenige Einträge darüber welchen den Grodisch als alten slavischen Burgwall aus der Zeit zwischen dem 7. und 10. Jahrhundert ausweisen.

Zumeist sind es nur glanzvolle historische Kulturen wie das alte Ägypten und das Römische Reich oder Ären großer Kriegsherren wie Dschinghis Khan und Napoleon welche die Geschichtsschreibung überdauern.
So ist es in einer Zeit in der selbst nach 16 Jahren noch Marx, Engels und Lenin von ihren Sockeln gestoßen werden auch nicht weiter verwunderlich, wenn ein einst als "Kulturdenkmal" bekanntes kulturelles Erbgut der Vergessenheit preisgegeben wird.
So mag wohl auch möglicherweise in ein- bis zweitausend Jahren über unsere Epoche das "Gras der Geschichte" gewachsen sein ?!

...aber nun zurück zum alten Grodisch:
Die Jahrhunderte überdauernd und bis zum 2.Weltkrieg noch als Kulturdenkmal eingestuft, war er alsbald Verfall und Zerstörung preisgegeben, woraufhin sich Ende der 60er Jahre das Museum für Ur- und Frühgeschichte Potsdam seiner annahm. :


Foto: Fundstück (Haken)

Der altslawische Burgwall „Grodisch" liegt in der breiten Oderniederung etwa 2,5 km südöstlich von Wiesenau.
Bis zu seiner Beschädigung bestand er als eine das Gelände um ca. 1,5 m überragende Kuppe von ca. 65 X 50 m Durchmesser, die teilweise von einer flachen ca. 15 m breiten Senke umgeben war.
Er gehört nach den äußeren Merkmalen zu einer Kategorie kleiner Ringwälle, deren Hauptverbreitungsgebiet die Lausitz ist und die durch die Grabungen in Vorberg und Tornow, Kr. Calau , sowie Brohna, Kr. Bautzen, als Burgentyp exakter faßbar geworden ist.
Seit 1969 führt das Museum für Ur- und Frühgeschichte Potsdam archäologische Untersuchungen im Bereich des Grodisch durch.
Veranlaßt durch bodendenkmalpflegerische Verpflichtungen und ursprünglich als kurzfristige Notbergung geplant, weitete sich die Tätigkeit zu einer mehrjährigen planmäßigen Untersuchung des gesamten Burginnenraumes und von Teilen des Walles und des Vorgeländes aus , wobei besonders die an der West- und Südwestseite der Burg angelegten Schnitte überraschende Ergebnisse zeitigten.
Bereits in den ersten Jahren der Untersuchung zeigte sich, daß organogene Materialien einen erstaunlich guten Erhaltungszustand aufweisen.
In einer Senke, die gleichzeitig den Grabenverlauf markiert, konnten die Ausgräber aus tonig-anmoorigen Schichten Holzobjekte bergen, unter denen Reste von Löffeln und andere bearbeitete Gegenstände hervorzuheben sind .
In den Jahren 1970-1972 gelang es, sowohl wesentliche Konstruktionselemente der Burgmauer und eine zweiphasige, vom Vorburggelände zur Burg führende Holzbrücke als auch wiederum eine Vielzahl hölzerner Gegenstände zu bergen.
Zu den wesentlichen Ergebnissen der Untersuchung gehört auch der Nachweis einer offenen Siedlung vor Errichtung der Burg.
Die wohl größte Überraschung stellte die Freilegung eines hölzernen Hakens und einiger hölzerner Stielschare dar.

Auszug aus dem Buch "Veröffentlichungen des Museums für Ur- und Frühgeschichte Potsdam, Band 10" von Bernhard Gramsch
Herausgegeben 1976 im VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin

Den kompletten Artikel kann man hier als PDF betrachten bzw. herunterladen.


Satellitenfoto
Heute zwar administratorisch auf dem Gebiet der Gemeinde Wiesenau gelegen ist dieser Burgwall jedoch auch als ein Bestandteil der Vorgeschichte unserer Gemeinde anzusehen, was sich zwangsläufig auch aus der geografische Nähe ergibt.
Leider ist dies kein Bestandteil der allgemeinen kulturellen Bildung mehr und so fand es auch zu meiner Schulzeit keine ausreichende Erwähnung, was mich nun dazu bewog dieses Thema wieder in unser kulturelles Gedächtniss zurückzurufen um es auch nachfolgenden Generationen zu bewahren.
R.-Michael Teichert_Webmaster ziltendorf.com