Baum im Weg oder Brett vor'm Kopf ?
   

Straße soll an Bäumen nicht scheitern

Von Barbara Arandt

In Sachen grundhafter Ausbau der Ortsdurchfahrt L 372 in Ziltendorf wird im Landesbetrieb Straßenwesen jetzt die Planung vorangetrieben. Allerdings sieht eine Ausbau-Variante die Fällung von vier Bäumen vor. In einer Vor-Ort-Begehung hat die Untere Naturschutzbehörde durchklingen lassen, dass es dafür zunächst keine Zustimmung gibt.

Es vergeht in Ziltendorf in den Gemeindevertretersitzungen keine Einwohnerfragestunde, in der nicht nach dem Stand der Dinge in Sachen Ortsdurchfahrt gefragt wird. Anwohner selbst bezeichnen den Zustand der Frankfurter und Gubener Straße als eine Schande. Seit Jahren gilt dort eine Tempobeschränkung auf 30 km/h. Mehr lässt die Ortsdurchfahrt nicht zu. Seit die Schlammhalde Vogelsang saniert wird, donnern täglich rund 200 Lkw durch Ziltendorf. Und wenn erst einmal die Papierfabrik in Eisenhüttenstadt entsteht, befürchten die Anwohner noch mehr Verkehr auf der maroden Straße.

 

Foto: _webmaster

In diversen Schreiben hatten sich schon Amt Brieskow-Finkenheerd und Gemeindevertretung an den Landesbetrieb Straßenwesen gewandt und um einen grundhaften Ausbau gebeten. Die Planungen dazu waren schon 2005 eingeleitet worden. Im Bauprogramm stand das Vorhaben auch. Doch bisher scheiterte es am Geld. Selbst eine Unterschriftensammlung, die Amtsausschussvorsitzen- der und Gemeindevertreter Thoralf Schapke im Sommer vergangenen Jahres an das Ministerium für Infrastruktur und Raumordnung nach Potsdam schickte, zeitigte zunächst keinen Erfolg.

Inzwischen ist Bewegung in die Geschichte gekommen. Die Planungen gehen in eine intensive Phase. Allerdings ist es dem Landesbetrieb Straßenwesen und der Gemeinde nicht gelungen, einen Eigentümer zum Verkauf einer Fläche an der L 372 zu bewegen, um die Trasse vernünftig und sicher führen zu können. Daraufhin wurde eine zweite Variante entwickelt, in der die Achse der Linienführung zwei Meter Richtung Osten verschoben wurde. Dort ergibt sich an der Kreuzung Müllroser Straße/Oderstraße aber die Notwendigkeit, vier ortsbildprägende Bäume zu fällen.

Der Landesbetrieb Straßenwesen hat eine Baumbegutachtung in Auftrag gegeben. Das Ergebnis liegt vor: Die vier besonders betroffenen Bäume sind in die Schadstufen 2 bis 3 eingestuft worden. Schadstufe 2 bedeutet stark geschädigt, die 3 sehr stark geschädigt. Das Gutachten räumt den Bäumen noch eine "Lebenserwartung" von fünf bis zehn Jahren ein.

Inzwischen fand eine Vor-Ort-Begehung mit der Unteren Naturschutzbehörde statt. Sie endete damit, dass diese Behörde der Fällung der vier Bäume erst einmal nicht zustimmen wird. Die Notwendigkeit der Fällung allein durch das nicht zu erlangende Baurecht auf der westlichen Seite reiche als Begründung nicht aus. Im Zweifelsfall müsse eine Abwägungsentscheidung der betroffenen Belange vorgenommen werden. Allerdings hat der Landesbetrieb Straßenwesen auch noch keine Fällgenehmigung beantragt.

An vier Bäumen sollte die Ortsdurchfahrt nicht scheitern, sagte am MOZ-Telefon Thomas Driebusch, der die abwesende Amtsleiterin Hannelore Trippens vertritt. "Investitionsbehindernd wollen wir nicht sein. Es wird uns sicher ein Konsens gelingen", machte er Hoffnung. Schließlich sei solch eine Straße ortsprägend und der Wille der Gemeinde zum Ausbau vorhanden.

Wie der amtierende Niederlassungsleiter des Landesbetriebes Straßenwesen Andreas Schade Brieskow-Finkenheerds Amtsdirektor Danny Busse versicherte, werde der Landesbetrieb alle Anstrengungen unternehmen, das Baurecht zu erlangen und die Maßnahme umzusetzen. Im Projektprogramm des Landes sei die Maßnahme mit einem beabsichtigten Baubeginn im nächsten Jahr enthalten. "An dieser Zielsetzung arbeiten alle am Projekt Beteiligten", versicherte der Niederlassungsleiter.

Um die Anlieger der Frankfurter und Gubener Straße mit der Planung bekannt zu machen, wird es am kommenden Montag um 18 Uhr in der Turnhalle der Grundschule Ziltendorf eine Informationsveranstaltung des Landesbetriebes geben. Dort kann jeder seine Fragen stellen.

Quelle (Text): www.moz.de - Märkische Oderzeitung 11. April 2008
   

Wäre das Thema für die Anwohner nicht so traurig, so wäre es fast schon wieder zum Lachen!
Ist man denn heute nicht mehr in der Lage eine Straße zu sanieren, muß es stets ein Straßen-Neubau sein?
Geld regiert nunmal die Welt und da bleibt die Vernunft (und auch ein paar Bäume) auf der Strecke. Eine simple Sanierung einer Straße ist schließlich nicht so profitabel wie ein grundhafter Neubau und schließlich möchte sich jeder der daran Beteiligten reichlich die Taschen füllen.
Es wäre doch wirklich angebrachter wenn nicht ein paar Bäume sondern eher ein paar Köpfe fallen würden!

Kommentar: _webmaster

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