Profit über Natur - Geplanter Brückenbau in Aurith
   

Fassungsloses Kopfschütteln in Aurith

Von Barbara Arandt

Ein Aufschrei des Entsetzens ging am vergangenen Freitag durch den Ziltendorfer Ortsteil Aurith. Die Märkische Oderzeitung hatte berichtet, dass sich Deutschland mit Polen über eine neue Oderbrücke bei Aurith geeinigt hätte. Der Bürgerverein Aurith engagiert sich seit Jahren gegen solchen Bau und will nun seine Aktivitäten verstärken.

Heiß her ging es am vergangenen Sonnabend auf der eigens einberufenen Bürgerversammlung im Ziltendorfer Ortsteil Aurith. Die Brisanz des Themas Oderbrücke bei Aurith ins benachbarte polnische Urad spiegelte sich in der Teilnehmerzahl wider: fast alle der 55 Einwohner erschienen. Das fassungslose Kopfschütteln war groß, als sie am vergangenen Freitag in der Märkischen Oderzeitung lesen mussten, dass Mitte des Jahres das Raumordnungsverfahren beginnen soll. Darüber hätten sich Vertreter der Straßenbauämter Brandenburgs und der benachbarten Wojewodschaft Lebuser Land geeinigt.

Bild: _webmaster

Enttäuschung und Empörung machten sich bei den Aurithern über die Äußerungen ihres Bürgermeisters Rainer Vierling breit, der sich im MOZ-Beitrag gegenüber dem Brückenbau aufgeschlossen zeigte. Für sie ist es unverständlich, wie ihr Bürgermeister so gar nicht die Interessen der Bürger vertrat. "Wie konnte er durch eine Äußerung den jahrelangen Kampf der Menschen in seiner Gemeinde zunichte machen?", fragt nicht nur der Vorsitzende des Bürgervereins Heiko Scholz und fühlt sich vom Gemeindeoberhaupt verraten.

Der Bürgermeister sah die Sache auch gestern pragmatisch: "Ich sehe den vorgesehenen Bau nicht so verbissen. Wenn alle Aspekte und die Trasse stimmen, kann man sich nicht dagegen wehren." Seiner Meinung nach ist Aurith in diesem Zusammenhang sowieso nur ein Begriff dafür, wo zwischen Frankfurt und Eisenhüttenstadt eine Brücke entstehen soll. "Man redet schon seit 15 Jahren darüber. Sollen sie uns Pläne vorlegen, wo die Trasse entlang führt. Dann werden wir uns dazu äußern. Und wenn die Natur dabei nicht in Mitleidenschaft gezogen wird, spricht nichts gegen eine Brücke", so Vierling. "Generell dagegen zu sein, finde ich Schwachsinn. Ich bin nicht dafür, ich bin nicht dagegen, ich warte einfach ab, was passiert. Vor 2015 kommt die Brücke sowieso nicht, bin ich überzeugt", fügte der Bürgermeister an.

In Aurith wird unterdessen mobil gemacht. Heiko Scholz hat an seinem Computer wieder Protestplakate entworfen und ausgedruckt, die gestern an die Haushalte verteilt wurden. An jedem Haus soll mit solch einem Plakat gegen eine Oderbrücke bei Aurith protestiert werden. Diese Aktion ist nur eine, die bei der Bürgerversammlung festgelegt wurde. Schriftlich festgehalten wurden nochmals die Punkte, die gegen einen Bau sprechen: Das sind zum einen das Naturschutzgebiet mit der Auenlandschaft und zum anderen das Vorkommen seltener Tiere und Pflanzen wie dem Eisvogel, oder auch das Nutzen der Niederung als Vogelrastplatz vieler Zugvögel bzw. fürs Überwintern der Schwäne und Reiher.

"Es ist zwar noch nichts in Sack und Tüten, aber wir müssen jetzt schon Flagge zeigen. Wir sind nicht vehement gegen eine Brücke, sondern allgemein gegen den vielen Verkehr in unserer Gegend, weil dabei viel Natur kaputt gehen würde", so Scholz. Die Aurither wollen durchaus auf Tourismus setzen - aber keinen Tanktourismus oder Lkw-Verkehr. Sie geben dem "sanften" Tourismus den Vorzug. "Auf den Deichen gehen viele Leute spazieren, Besucher genießen einfach die Ruhe und die Natur. Rollerblader und Skater haben ideale Bedingungen. Am vergangenen Wochenende waren wieder rund 200 Ausflügler hier. Diesen Tourismus wollen wir und keinen anderen", so Heiko Scholz.

Der Vorsitzende weiß, dass das benachbarte Urad diese Verbindung über die Oder will, schon wegen des wirtschaftlichen Aspekts. Er weiß aber auch, dass Arcelor und die Stadt Eisenhüttenstadt die Brücke gern in ihrer Nähe hätten. Der Bürgerverein, der 18 Mitglieder hat, und alle anderen Aurither favorisieren eine Fähre zwischen Aurith und Urad. "Die Voraussetzungen dafür sind da, sprich die Anlegestellen", sagte Scholz. Für Rainer Vierling dagegen ist der Zug Fährverbindung abgefahren: 1992 hätte es in Ziltendorf eine Bürgerbefragung zu einer möglichen Fähre gegeben. Die Mehrheit der Bürger sei dagegen gewesen. "Damals wäre es gegangen. Heute sind die Bedingungen anders."

Die Mehrheit der Aurither sei nie gegen eine Fähre gewesen, kontert Scholz. Die Fähre möchte man, um den "sanften" Tourismus anzukurbeln. In Aurith und anderswo soll jetzt eine Unterschriftensammlung gegen die Brücke gestartet werden.

Quelle : www.moz.de - Märkische Oderzeitung 20.02.2007

Da war man doch geneigt zu glauben angesichts des drohenden Klima-Chaos, welches herausragende Experten auf der Welt-Klimaschutzkonferenz Anfang Februar angemahnt hatten, wäre ein allmähliches Umdenken der Menschen angesagt, aber weit gefehlt.
Unsere Politker versuchen, insofern sie überhaupt daran einen Gedanken verschwenden, sich in absurden Ideen zu überbieten.
So mutet der jüngste Vorschlag unseres Bundesumweltministers Gabriel zum europaweiten Verbot von Glühbirnen hirnrissig, angesichts des unvermindert zunehmenden Verkehrsaufkommens zu Land und Luft, an.
In dieses Bild passt nun zweifelsohne ein ignoranter Bürgermeister, welchem Profitinteressen über Natur und Bürgerinteressen gehen.
Viele Bürger, besonders aus den umliegenden Städten, erfreuen sich bei Ausflügen in die Oderaue der sauberen Luft und der artenreichen Fauna und Flora. Wollen wir dies nun gegen einen abgasvernebelten Fahrzeugstrom eintauschen ? Ich glaube kaum !
Hier sollten die betroffenen Bürger sich zur Wehr setzen und nicht auf "Bürgervertreter" hoffen, welche den Auftrag des Bürgers schon lange aus den Augen verloren haben.

Kommentar : _Webmaster

Informieren Sie sich unter folgender URL, wie sie die Einwohner Auriths und unsere Natur unterstützen können:
www.unser-aurith.de/html/brucke.html

Hier finden Sie einen Bericht welcher detailierte Planungsvarianten beinhaltet:
http://iovg.cumed-fileserver.de/24_erfahrungsbericht1.pdf

 

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